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Fellwechsel beim Pferd

Der Fellwechsel ist ein zweimal jährlicher, hormonell gesteuerter Umbau des Fells, ausgelöst durch die Tageslichtlänge, nicht durch Temperatur. Pferde brauchen dabei mehr Eiweiß sowie Zink, Kupfer, Selen und Biotin über hochwertiges Heu und Mineralfutter. Bleibt das Winterfell im Sommer, deutet das auf Cushing (PPID) hin — das eine Pferdekrankenversicherung mit Vollschutz abdeckt.

Zweimal im Jahr — im Frühjahr und im Herbst — wechselt das Pferd sein Fell. Für viele ist das harmlos, andere verlieren spürbar Energie und Kondition. Diese Übersicht zeigt, was im Stoffwechsel passiert, was Pferde dabei wirklich brauchen — und welche Auffälligkeiten ein Warnsignal sind.

Geprüft von Kevin Malarczuk · §34d-VersicherungsvermittlerZuletzt geprüft: 07.08.2026
Redaktionelle Aufbereitung — keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall. Bei juristischen Themen empfehlen wir zusätzlich anwaltliche Beratung, bei tierärztlichen Fragen den behandelnden Tierarzt.

Was passiert beim Fellwechsel?

Pferde wechseln zweimal jährlich ihr Fell — typisch von Februar bis Mai (Sommerfell) und von September bis November (Winterfell). Auslöser ist die Tageslichtlänge (Photoperiodismus), nicht direkt die Temperatur. Der Fellwechsel ist energetisch aufwändig: Haarwurzeln werden umgebaut, neues Fell muss wachsen, alte Haare ausfallen. Der Stoffwechsel des Pferdes läuft auf Hochtouren.

Was Pferde im Fellwechsel brauchen

Energie und Eiweiß

  • Erhöhter Eiweißbedarf: Haar besteht zu großen Teilen aus dem Eiweißbaustein Keratin. Hochwertiges Heu, Luzerne, oder ggf. Eiweißkonzentrate (Soja, Bierhefe) helfen.
  • Energiedichte anpassen: bei aktiven Pferden Kraftfutter eventuell leicht erhöhen, bei Übergewichtigen nicht — der Fellwechsel allein rechtfertigt kein Mästen.

Mineralien und Vitamine

  • Zink: wichtig für Hautgesundheit und Haarbildung — Mangel führt zu mattem Fell und schlechter Wundheilung.
  • Kupfer: ergänzt Zink-Stoffwechsel.
  • Selen + Vitamin E: für Muskel- und Zell-Gesundheit. Aber Vorsicht: Selen-Überdosierung ist toxisch — Mineralfutter mit ausgewogenem Verhältnis wählen, nicht selbst experimentieren.
  • Biotin: unterstützt Fell- und Hufqualität.
  • Omega-3-Fettsäuren: z.B. Leinöl — gut für Hautgesundheit.

Pflege

  • Tägliches Putzen mit Striegel und Kardätsche — unterstützt den Fellwechsel und macht das Pferd schneller fertig. Ist auch Massage und Bonding-Zeit.
  • Bei nasskaltem Wetter: Pferd nicht nass im Stall stehen lassen. Halbtrocknen, Decke nur wenn nötig.
  • Bewegung hält den Stoffwechsel aktiv und unterstützt den Fellwechsel.

Wann der Fellwechsel auffällig ist

Der Fellwechsel kann auch auf Krankheiten hinweisen. Diese Anzeichen sollten tierärztlich abgeklärt werden:

Cushing-Syndrom (PPID)

Das Cushing-Syndrom (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, PPID) ist eine hormonelle Erkrankung älterer Pferde. Typisches Anzeichen: verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel — das Pferd behält sein Winterfell auch im Sommer (Hirsutismus).

  • Gelocktes, langes Fell auch im Sommer
  • Vermehrtes Schwitzen (vor allem nachts)
  • Wiederkehrende Hufrehe ohne Fütterungs-Erklärung
  • Gewichtsverlust trotz guter Fütterung
  • Trinkmenge erhöht, häufiges Urinieren
  • Anfälligkeit für Infekte

Bei Verdacht: Tierarzt. Diagnostik per ACTH-Test (oft im Spätsommer/Herbst aussagekräftiger). Therapie mit Pergolid (Prascend) gut wirksam, lebenslang. Frühe Diagnose verhindert schwere Hufrehe-Schübe.

Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

Übergewicht + Insulin-Resistenz. Im Fellwechsel oft sichtbar an: Fettdepots am Hals (Mähnenkamm), an der Schulter, am Schweifansatz. Hufrehe-Risiko deutlich erhöht — vor allem im Frühjahr beim Anweiden.

Mineralstoffmangel

Mattes, struppiges Fell trotz Pflege, lange Fellwechsel-Phase, brüchige Hufe — Hinweise auf Mineralien-Mangel. Mineralfutter prüfen, Blutbild beim Tierarzt sinnvoll.

Wurmbefall

Stumpfes Fell, schlechter Allgemeinzustand, dicker Bauch — Hinweise auf Wurmbefall. Im Fellwechsel besonders sichtbar, weil das Stoffwechselsystem belastet ist. Kotprobe statt Schema-F-Wurmkur.

Versicherungs-Aspekte

  • Pferdekrankenversicherung (Vollschutz): deckt Cushing-Diagnostik und langfristige Pergolid-Therapie. Bei Verdacht frühzeitig Tierarzt — Diagnose vor Vertragsabschluss bedeutet meist Vorerkrankungs-Ausschluss.
  • Pferdelebensversicherung: Bei Cushing-bedingter Hufrehe mit Notfall-Tötungs-Indikation greift die Police. Aber: bekannte Cushing-Diagnose schließt manche Tarife aus.
  • OP-Versicherung: bei Cushing selten relevant — keine OP-Therapie.

Mythen und Fehler

  • „Ein Pferd im Fellwechsel braucht doppelt so viel Futter“: Falsch — der Mehrbedarf ist moderat (5-15 % bei aktiver Phase). Wichtiger ist Qualität, nicht Menge.
  • „Decke beschleunigt den Fellwechsel“: Stimmt nur bei dauernder Decke (Sportpferde). Im normalen Stall ist Decke nicht nötig — der Fellwechsel läuft physiologisch ab, Tageslicht steuert.
  • „Bierhefe ist das Wundermittel“: Bierhefe enthält B-Vitamine und Eiweiß — gut, aber kein Allheilmittel. Mineralfutter ist wichtiger.
  • „Cushing-Pferde dürfen nicht aufs Gras“: Differenziert: stark-zuckerreiches Frühjahrsgras ja problematisch, magere Bewegungsweide oft unproblematisch. Tierarzt fragen.

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