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Fellwechsel beim Pferd

Zweimal im Jahr — im Frühjahr und im Herbst — wechselt das Pferd sein Fell. Für viele ist das harmlos, andere verlieren spürbar Energie und Kondition. Diese Übersicht zeigt, was im Stoffwechsel passiert, was Pferde dabei wirklich brauchen — und welche Auffälligkeiten ein Warnsignal sind.

Geprüft von Kevin Malarczuk · §34d-VersicherungsvermittlerZuletzt geprüft: 30.04.2026
Redaktionelle Aufbereitung — keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall. Bei juristischen Themen empfehlen wir zusätzlich anwaltliche Beratung, bei tierärztlichen Fragen den behandelnden Tierarzt.

Was passiert beim Fellwechsel?

Pferde wechseln zweimal jährlich ihr Fell — typisch von Februar bis Mai (Sommerfell) und von September bis November (Winterfell). Auslöser ist die Tageslichtlänge (Photoperiodismus), nicht direkt die Temperatur. Der Fellwechsel ist energetisch aufwändig: Haarwurzeln werden umgebaut, neues Fell muss wachsen, alte Haare ausfallen. Der Stoffwechsel des Pferdes läuft auf Hochtouren.

Was Pferde im Fellwechsel brauchen

Energie und Eiweiß

  • Erhöhter Eiweißbedarf: Haar besteht zu großen Teilen aus dem Eiweißbaustein Keratin. Hochwertiges Heu, Luzerne, oder ggf. Eiweißkonzentrate (Soja, Bierhefe) helfen.
  • Energiedichte anpassen: bei aktiven Pferden Kraftfutter eventuell leicht erhöhen, bei Übergewichtigen nicht — der Fellwechsel allein rechtfertigt kein Mästen.

Mineralien und Vitamine

  • Zink: wichtig für Hautgesundheit und Haarbildung — Mangel führt zu mattem Fell und schlechter Wundheilung.
  • Kupfer: ergänzt Zink-Stoffwechsel.
  • Selen + Vitamin E: für Muskel- und Zell-Gesundheit. Aber Vorsicht: Selen-Überdosierung ist toxisch — Mineralfutter mit ausgewogenem Verhältnis wählen, nicht selbst experimentieren.
  • Biotin: unterstützt Fell- und Hufqualität.
  • Omega-3-Fettsäuren: z.B. Leinöl — gut für Hautgesundheit.

Pflege

  • Tägliches Putzen mit Striegel und Kardätsche — unterstützt den Fellwechsel und macht das Pferd schneller fertig. Ist auch Massage und Bonding-Zeit.
  • Bei nasskaltem Wetter: Pferd nicht nass im Stall stehen lassen. Halbtrocknen, Decke nur wenn nötig.
  • Bewegung hält den Stoffwechsel aktiv und unterstützt den Fellwechsel.

Wann der Fellwechsel auffällig ist

Der Fellwechsel kann auch auf Krankheiten hinweisen. Diese Anzeichen sollten tierärztlich abgeklärt werden:

Cushing-Syndrom (PPID)

Das Cushing-Syndrom (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction, PPID) ist eine hormonelle Erkrankung älterer Pferde. Typisches Anzeichen: verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel — das Pferd behält sein Winterfell auch im Sommer (Hirsutismus).

  • Gelocktes, langes Fell auch im Sommer
  • Vermehrtes Schwitzen (vor allem nachts)
  • Wiederkehrende Hufrehe ohne Fütterungs-Erklärung
  • Gewichtsverlust trotz guter Fütterung
  • Trinkmenge erhöht, häufiges Urinieren
  • Anfälligkeit für Infekte

Bei Verdacht: Tierarzt. Diagnostik per ACTH-Test (oft im Spätsommer/Herbst aussagekräftiger). Therapie mit Pergolid (Prascend) gut wirksam, lebenslang. Frühe Diagnose verhindert schwere Hufrehe-Schübe.

Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

Übergewicht + Insulin-Resistenz. Im Fellwechsel oft sichtbar an: Fettdepots am Hals (Mähnenkamm), an der Schulter, am Schweifansatz. Hufrehe-Risiko deutlich erhöht — vor allem im Frühjahr beim Anweiden.

Mineralstoffmangel

Mattes, struppiges Fell trotz Pflege, lange Fellwechsel-Phase, brüchige Hufe — Hinweise auf Mineralien-Mangel. Mineralfutter prüfen, Blutbild beim Tierarzt sinnvoll.

Wurmbefall

Stumpfes Fell, schlechter Allgemeinzustand, dicker Bauch — Hinweise auf Wurmbefall. Im Fellwechsel besonders sichtbar, weil das Stoffwechselsystem belastet ist. Kotprobe statt Schema-F-Wurmkur.

Versicherungs-Aspekte

  • Pferdekrankenversicherung (Vollschutz): deckt Cushing-Diagnostik und langfristige Pergolid-Therapie. Bei Verdacht frühzeitig Tierarzt — Diagnose vor Vertragsabschluss bedeutet meist Vorerkrankungs-Ausschluss.
  • Pferdelebensversicherung: Bei Cushing-bedingter Hufrehe mit Notfall-Tötungs-Indikation greift die Police. Aber: bekannte Cushing-Diagnose schließt manche Tarife aus.
  • OP-Versicherung: bei Cushing selten relevant — keine OP-Therapie.

Mythen und Fehler

  • „Ein Pferd im Fellwechsel braucht doppelt so viel Futter": Falsch — der Mehrbedarf ist moderat (5-15 % bei aktiver Phase). Wichtiger ist Qualität, nicht Menge.
  • „Decke beschleunigt den Fellwechsel": Stimmt nur bei dauernder Decke (Sportpferde). Im normalen Stall ist Decke nicht nötig — der Fellwechsel läuft physiologisch ab, Tageslicht steuert.
  • „Bierhefe ist das Wundermittel": Bierhefe enthält B-Vitamine und Eiweiß — gut, aber kein Allheilmittel. Mineralfutter ist wichtiger.
  • „Cushing-Pferde dürfen nicht aufs Gras": Differenziert: stark-zuckerreiches Frühjahrsgras ja problematisch, magere Bewegungsweide oft unproblematisch. Tierarzt fragen.

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