Dein Pferdeschutz
Ratgeber / Sicherheit / Hochwasser und Sturm

Hochwasser und Sturm

Bei Hochwasser und Sturm zählt vor allem rechtzeitiges Handeln: Pferde bei Hochwasser-Warnstufe 4 sofort evakuieren, bei Sturm ab Windstärken über 70 km/h von der Weide holen. Die Pferdelebensversicherung deckt Tod durch Naturkatastrophen (außer bei grober Fahrlässigkeit), die Pferdehaftpflicht greift, wenn ein in Panik ausbrechendes Pferd Schäden verursacht.

Mit dem Klimawandel werden extreme Wetterlagen häufiger — Starkregen, Sturm, lokale Überflutungen. Für Pferdehalter bedeutet das: Notfallpläne, die früher selten waren, sind heute Pflicht. Diese Übersicht zeigt, was vor und während Naturkatastrophen wichtig ist und welche Versicherung Naturschäden trägt.

Geprüft von Kevin Malarczuk · §34d-VersicherungsvermittlerZuletzt geprüft: 07.08.2026
Redaktionelle Aufbereitung — keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall. Bei juristischen Themen empfehlen wir zusätzlich anwaltliche Beratung, bei tierärztlichen Fragen den behandelnden Tierarzt.

Vorsorge — was im Vorfeld zu tun ist

Standort-Bewertung

  • Hochwasser-Risiko prüfen: Hochwasser-Karten der Bundesländer zeigen Überflutungsgebiete. Bei Stallbau oder Stallwechsel berücksichtigen.
  • Sturm-Exposition: ist der Stall windexponiert? Gibt es Bäume in Sturzweite (alte, instabile Bäume)?
  • Dachzustand: bei alten Stalldächern — Sturmschäden- Risiko hoch.
  • Strom-Versorgung: bei Stromausfall funktionieren elektrische Tränken, Lüftung und Beleuchtung nicht. Notstrom- Möglichkeiten?

Notfallplan dokumentieren

  • Evakuierungsroute: wohin können Pferde im Notfall? Höhergelegener Stall, Notfall-Pension, Reithalle eines Vereins?
  • Transport-Ressourcen: wer hat Anhänger? Wer fährt im Notfall? Liste mit Kontakten.
  • Halter-Erreichbarkeit: Stallbetreiber sollte alle Halter erreichen können — aktuelle Telefonnummern.
  • Equiden-Pässe griffbereit: für jede Box ein Schnellzugriff auf den Pass — bei Evakuierung nötig.
  • Halfter und Strick in jeder Box am Boxen-Eingang.

Versicherungs-Status checken

Vor der Krisensituation prüfen: Welche Naturgefahren sind durch welche Police abgedeckt? Mehr in unserem Versicherungsfall-melden-Artikel.

Hochwasser — die akute Lage

Vor dem Wasser-Eintreffen

  • Warnung ernst nehmen: Hochwasser-Warnstufen der Wasserwirtschaft beobachten. Bei Warnstufe 2-3 Vorbereitung treffen, bei Warnstufe 4 Evakuierung einleiten.
  • Pferde rechtzeitig evakuieren: nicht warten, bis das Wasser da ist. Anhänger-Transport durch überflutete Straßen ist riskant und oft unmöglich.
  • Heuvorrat sichern: in höhergelegene Räume bringen. Nasses Heu ist verloren und gesundheitsgefährdend.
  • Strom abschalten: bei drohendem Wassereinbruch Stromversorgung trennen, sonst Stromschlag-Risiko.
  • Wertvolle Sachen sichern: Sättel, Trensen, Equiden-Pässe, Versicherungs-Unterlagen mit nach oben.

Wenn das Wasser schon da ist

  • Höhergelegene Bereiche: Pferde in obere Stallbereiche bringen, wenn vorhanden.
  • Auf höher gelegene Weiden: wenn der Stall selbst gefährdet ist und kein Transport mehr möglich ist.
  • Pferde nicht alleine im teilüberfluteten Stall: Panik-Risiko. Bei stehendem Wasser sind Pferde schnell unbeweglich-festgenommen.
  • Feuerwehr/Tierrettung: bei akuter Gefährdung Feuerwehr informieren — sie haben Erfahrung mit Tier-Rettungsaktionen.
  • Veterinäramt: bei größeren Verlusten — manche Bundesländer haben Notfall-Programme.

Nach dem Hochwasser

  • Stall-Reinigung und Desinfektion: Hochwasser bringt Schadstoffe und Erreger mit. Komplette Stall-Reinigung vor Pferd- Rückkehr.
  • Wasserversorgung prüfen: ist das Brunnen-/Leitungs- wasser noch sauber? Bei Verdacht Trinkwasser-Test.
  • Heu-Vorrat: nasses Heu nicht verfüttern (Schimmel, Botulismus-Risiko).
  • Tierarzt-Check: nach Hochwasser-Stress kontrollieren — Erkältungen, Hautprobleme durch Schadstoffe, Stress-Kolik.
  • Versicherungs-Schaden melden: Schadensumfang dokumentieren mit Fotos und Listen.

Sturm — Pferde im Stall oder auf der Weide?

Bei Sturm-Warnung

  • Pferde von der Weide: bei Wind über 70 km/h und insbesondere bei Bäumen/Stromleitungen am Weidenrand. Aststurz, herumfliegende Gegenstände sind die Hauptrisiken.
  • Stallhaltung mit offenen Türen vorbereiten: wenn das Stalldach gefährdet ist, kann eine Aussteigemöglichkeit Leben retten. Aber Achtung: Pferde nicht in Panik aus Stall jagen.
  • Lose Gegenstände sichern: Mistgabeln, Eimer, Hindernisse — alles, was Wind verfrachten kann.
  • Bäume in Stallnähe: bei alten Bäumen Forst-Experten Anfragen, ob Sturmschäden-Risiko besteht.
  • Stall-Tür sichern: bei Sturm können Türen aufgerissen werden — Riegel und Verriegelungen prüfen.

Während des Sturms

  • Pferde nicht stören: sie reagieren auf Wind- und Druckschwankungen mit Angst. Reiter-Anwesenheit kann beruhigen, aber nicht künstlich erzwingen.
  • Hintergrundgeräusche (Radio leise) maskieren Wind-Geräusche.
  • Stallkontrolle nicht riskieren: bei Sturm nicht alleine im Stall sein, wenn das Dach gefährdet ist. Fluchtweg freihalten.
  • Stromausfall: Notbeleuchtung (Taschenlampe), Tränken-Versorgung sicherstellen.

Nach dem Sturm

  • Stallschäden dokumentieren — Fotos, Listen
  • Weide-Inspektion: Äste, Drähte, Glasscherben entfernen
  • Zaun-Kontrolle: Sturm hat oft Zaun beschädigt — bevor Pferde wieder raus
  • Pferde-Untersuchung: Verletzungen, Stress-Anzeichen, Lahmheit
  • Versicherungs-Schaden melden

Versicherungs-Schutz bei Naturschäden

Pferdelebensversicherung

Klassische Pferdelebensversicherung deckt typischerweise:

  • Tod durch Unfall (auch Naturkatastrophen)
  • Tod durch Krankheit als Folge der Krise (Stress-Kolik etc.)
  • Notfall-Tötung wegen schwerer Verletzung

Manche Tarife haben Ausschlüsse für „grobe Fahrlässigkeit“ — wenn der Halter die Warnungen ignoriert und Pferd in offensichtlich gefährdetem Stall gelassen hat. AVB lesen.

Pferde-OP- und Krankenversicherung

Decken Behandlungen nach Naturkatastrophen — Verletzungen, Stress- Erkrankungen, Hautprobleme durch verschmutztes Wasser.

Pferdehaftpflicht

Greift, wenn das Pferd in Panik ausbricht und Schaden verursacht (z.B. in Auto rennt, fremdes Eigentum beschädigt). Standard-Bestandteil aller Pferdehaftpflichten.

Stall-Versicherung

Stallschäden (Dach, Wände, Inventar) trägt der Stallbetreiber über seine Gebäude- oder Geschäfts-Versicherung. Pferdebesitzer haben hier keinen direkten Anspruch — falls der Stall durch Naturschaden unbrauchbar wird, ist der Pensionsvertrag möglicherweise gekündigt oder pausiert.

Was NICHT mitversichert ist

  • Eigene Sachen im Stall (Sättel, Trensen, Decken): meist nicht in Pferd-Versicherungen mitversichert. Hausrat-Versicherung mit Erweiterung „außerhalb der Wohnung“ prüfen.
  • Anhänger-Schäden bei Sturm: Kfz-Vollkasko des Halters.
  • Reines Hochwasser ohne Pferd-Schaden: Stall-/Wohngebäude- versicherung des Stallbetreibers/Hauseigentümers.

Schadensmeldung — Schritte

  1. Sofort: Tierarzt holen, falls Pferd verletzt. Versicherer telefonisch informieren.
  2. Foto-Dokumentation: Schäden fotografieren — Pferd-Verletzungen, Stallschäden, ausgebrochene Pferde am Fundort.
  3. Tierärztliche Bescheinigung: ärztlicher Befund mit Datum.
  4. Schriftliche Schadensmeldung: binnen Frist (typisch 1 Woche) — siehe AVB. Bei groben Schäden lieber sofort.
  5. Polizei-Bericht bei Diebstahl oder Verkehrsunfall.
  6. Bei größeren Schäden: Pferderechtsschutz aktivieren oder Anwalt einschalten — vor allem wenn Versicherer streng prüft.

Notfall-Kontakte vorhalten

  • Tierarzt-Notdienst (lokal)
  • Pferdeklinik (Vorab-Telefonkette etablieren)
  • Feuerwehr (Tier-Rettungseinsatz möglich)
  • Veterinäramt (bei Großschadens-Lagen)
  • Pferdehaftpflicht- und Lebens-Versicherer (24h-Notfall-Hotline)
  • Stallbetreiber + Boxennachbarn (gegenseitige Hilfe)
  • Notfall-Pension oder befreundeter Stall
  • Anhänger-Besitzer im Umkreis (für spontane Evakuierung)

Passt eine Versicherung zu deinem Thema?

Wir vergleichen 6 Versicherer für alle Pferd-Sparten — Haftpflicht, OP, Kranken, Leben und mehr.

Anrufen