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Hochwasser und Sturm

Mit dem Klimawandel werden extreme Wetterlagen häufiger — Starkregen, Sturm, lokale Überflutungen. Für Pferdehalter bedeutet das: Notfallpläne, die früher selten waren, sind heute Pflicht. Diese Übersicht zeigt, was vor und während Naturkatastrophen wichtig ist und welche Versicherung Naturschäden trägt.

Geprüft von Kevin Malarczuk · §34d-VersicherungsvermittlerZuletzt geprüft: 30.04.2026
Redaktionelle Aufbereitung — keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall. Bei juristischen Themen empfehlen wir zusätzlich anwaltliche Beratung, bei tierärztlichen Fragen den behandelnden Tierarzt.

Vorsorge — was im Vorfeld zu tun ist

Standort-Bewertung

  • Hochwasser-Risiko prüfen: Hochwasser-Karten der Bundesländer zeigen Überflutungsgebiete. Bei Stallbau oder Stallwechsel berücksichtigen.
  • Sturm-Exposition: ist der Stall windexponiert? Gibt es Bäume in Sturzweite (alte, instabile Bäume)?
  • Dachzustand: bei alten Stalldächern — Sturmschäden- Risiko hoch.
  • Strom-Versorgung: bei Stromausfall funktionieren elektrische Tränken, Lüftung und Beleuchtung nicht. Notstrom- Möglichkeiten?

Notfallplan dokumentieren

  • Evakuierungsroute: wohin können Pferde im Notfall? Höhergelegener Stall, Notfall-Pension, Reithalle eines Vereins?
  • Transport-Ressourcen: wer hat Anhänger? Wer fährt im Notfall? Liste mit Kontakten.
  • Halter-Erreichbarkeit: Stallbetreiber sollte alle Halter erreichen können — aktuelle Telefonnummern.
  • Equiden-Pässe griffbereit: für jede Box ein Schnellzugriff auf den Pass — bei Evakuierung nötig.
  • Halfter und Strick in jeder Box am Boxen-Eingang.

Versicherungs-Status checken

Vor der Krisensituation prüfen: Welche Naturgefahren sind durch welche Police abgedeckt? Mehr in unserem Versicherungsfall-melden-Artikel.

Hochwasser — die akute Lage

Vor dem Wasser-Eintreffen

  • Warnung ernst nehmen: Hochwasser-Warnstufen der Wasserwirtschaft beobachten. Bei Warnstufe 2-3 Vorbereitung treffen, bei Warnstufe 4 Evakuierung einleiten.
  • Pferde rechtzeitig evakuieren: nicht warten, bis das Wasser da ist. Anhänger-Transport durch überflutete Straßen ist riskant und oft unmöglich.
  • Heuvorrat sichern: in höhergelegene Räume bringen. Nasses Heu ist verloren und gesundheitsgefährdend.
  • Strom abschalten: bei drohendem Wassereinbruch Stromversorgung trennen, sonst Stromschlag-Risiko.
  • Wertvolle Sachen sichern: Sättel, Trensen, Equiden-Pässe, Versicherungs-Unterlagen mit nach oben.

Wenn das Wasser schon da ist

  • Höhergelegene Bereiche: Pferde in obere Stallbereiche bringen, wenn vorhanden.
  • Auf höher gelegene Weiden: wenn der Stall selbst gefährdet ist und kein Transport mehr möglich ist.
  • Pferde nicht alleine im teilüberfluteten Stall: Panik-Risiko. Bei stehendem Wasser sind Pferde schnell unbeweglich-festgenommen.
  • Feuerwehr/Tierrettung: bei akuter Gefährdung Feuerwehr informieren — sie haben Erfahrung mit Tier-Rettungsaktionen.
  • Veterinäramt: bei größeren Verlusten — manche Bundesländer haben Notfall-Programme.

Nach dem Hochwasser

  • Stall-Reinigung und Desinfektion: Hochwasser bringt Schadstoffe und Erreger mit. Komplette Stall-Reinigung vor Pferd- Rückkehr.
  • Wasserversorgung prüfen: ist das Brunnen-/Leitungs- wasser noch sauber? Bei Verdacht Trinkwasser-Test.
  • Heu-Vorrat: nasses Heu nicht verfüttern (Schimmel, Botulismus-Risiko).
  • Tierarzt-Check: nach Hochwasser-Stress kontrollieren — Erkältungen, Hautprobleme durch Schadstoffe, Stress-Kolik.
  • Versicherungs-Schaden melden: Schadensumfang dokumentieren mit Fotos und Listen.

Sturm — Pferde im Stall oder auf der Weide?

Bei Sturm-Warnung

  • Pferde von der Weide: bei Wind über 70 km/h und insbesondere bei Bäumen/Stromleitungen am Weidenrand. Aststurz, herumfliegende Gegenstände sind die Hauptrisiken.
  • Stallhaltung mit offenen Türen vorbereiten: wenn das Stalldach gefährdet ist, kann eine Aussteigemöglichkeit Leben retten. Aber Achtung: Pferde nicht in Panik aus Stall jagen.
  • Lose Gegenstände sichern: Mistgabeln, Eimer, Hindernisse — alles, was Wind verfrachten kann.
  • Bäume in Stallnähe: bei alten Bäumen Forst-Experten Anfragen, ob Sturmschäden-Risiko besteht.
  • Stall-Tür sichern: bei Sturm können Türen aufgerissen werden — Riegel und Verriegelungen prüfen.

Während des Sturms

  • Pferde nicht stören: sie reagieren auf Wind- und Druckschwankungen mit Angst. Reiter-Anwesenheit kann beruhigen, aber nicht künstlich erzwingen.
  • Hintergrundgeräusche (Radio leise) maskieren Wind-Geräusche.
  • Stallkontrolle nicht riskieren: bei Sturm nicht alleine im Stall sein, wenn das Dach gefährdet ist. Fluchtweg freihalten.
  • Stromausfall: Notbeleuchtung (Taschenlampe), Tränken-Versorgung sicherstellen.

Nach dem Sturm

  • Stallschäden dokumentieren — Fotos, Listen
  • Weide-Inspektion: Äste, Drähte, Glasscherben entfernen
  • Zaun-Kontrolle: Sturm hat oft Zaun beschädigt — bevor Pferde wieder raus
  • Pferde-Untersuchung: Verletzungen, Stress-Anzeichen, Lahmheit
  • Versicherungs-Schaden melden

Versicherungs-Schutz bei Naturschäden

Pferdelebensversicherung

Klassische Pferdelebensversicherung deckt typischerweise:

  • Tod durch Unfall (auch Naturkatastrophen)
  • Tod durch Krankheit als Folge der Krise (Stress-Kolik etc.)
  • Notfall-Tötung wegen schwerer Verletzung

Manche Tarife haben Ausschlüsse für „grobe Fahrlässigkeit" — wenn der Halter die Warnungen ignoriert und Pferd in offensichtlich gefährdetem Stall gelassen hat. AVB lesen.

Pferde-OP- und Krankenversicherung

Decken Behandlungen nach Naturkatastrophen — Verletzungen, Stress- Erkrankungen, Hautprobleme durch verschmutztes Wasser.

Pferdehaftpflicht

Greift, wenn das Pferd in Panik ausbricht und Schaden verursacht (z.B. in Auto rennt, fremdes Eigentum beschädigt). Standard-Bestandteil aller Pferdehaftpflichten.

Stall-Versicherung

Stallschäden (Dach, Wände, Inventar) trägt der Stallbetreiber über seine Gebäude- oder Geschäfts-Versicherung. Pferdebesitzer haben hier keinen direkten Anspruch — falls der Stall durch Naturschaden unbrauchbar wird, ist der Pensionsvertrag möglicherweise gekündigt oder pausiert.

Was NICHT mitversichert ist

  • Eigene Sachen im Stall (Sättel, Trensen, Decken): meist nicht in Pferd-Versicherungen mitversichert. Hausrat-Versicherung mit Erweiterung „außerhalb der Wohnung" prüfen.
  • Anhänger-Schäden bei Sturm: Kfz-Vollkasko des Halters.
  • Reines Hochwasser ohne Pferd-Schaden: Stall-/Wohngebäude- versicherung des Stallbetreibers/Hauseigentümers.

Schadensmeldung — Schritte

  1. Sofort: Tierarzt holen, falls Pferd verletzt. Versicherer telefonisch informieren.
  2. Foto-Dokumentation: Schäden fotografieren — Pferd-Verletzungen, Stallschäden, ausgebrochene Pferde am Fundort.
  3. Tierärztliche Bescheinigung: ärztlicher Befund mit Datum.
  4. Schriftliche Schadensmeldung: binnen Frist (typisch 1 Woche) — siehe AVB. Bei groben Schäden lieber sofort.
  5. Polizei-Bericht bei Diebstahl oder Verkehrsunfall.
  6. Bei größeren Schäden: Pferderechtsschutz aktivieren oder Anwalt einschalten — vor allem wenn Versicherer streng prüft.

Notfall-Kontakte vorhalten

  • Tierarzt-Notdienst (lokal)
  • Pferdeklinik (Vorab-Telefonkette etablieren)
  • Feuerwehr (Tier-Rettungseinsatz möglich)
  • Veterinäramt (bei Großschadens-Lagen)
  • Pferdehaftpflicht- und Lebens-Versicherer (24h-Notfall-Hotline)
  • Stallbetreiber + Boxennachbarn (gegenseitige Hilfe)
  • Notfall-Pension oder befreundeter Stall
  • Anhänger-Besitzer im Umkreis (für spontane Evakuierung)

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