Dein Pferdeschutz
Ratgeber / Gesundheit / Senior-Krankheiten

Senior-Pferd — die fünf wichtigsten Erkrankungen

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine Handvoll typischer Erkrankungen — Cushing/PPID, EMS, Hufrehe, Arthrose und (rasseabhängig) Sommerekzem. Diese Übersicht erklärt Symptome, aktuelle Diagnostik und Therapie nach den Konsensus-Papieren von ECEIM und BEVA, plus die Frage, was eine Pferd-Krankenversicherung im Senior-Alter realistisch leistet.

Älteres graues Pferd auf der Weide — Senior-Pferd-Krankheiten wie PPID/Cushing, EMS, Hufrehe und Arthrose
Geprüft von Kevin Malarczuk · §34d-VersicherungsvermittlerZuletzt geprüft: 03.05.2026
Redaktionelle Aufbereitung — keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall. Bei juristischen Themen empfehlen wir zusätzlich anwaltliche Beratung, bei tierärztlichen Fragen den behandelnden Tierarzt.
Kurzantwort in 60 Sekunden

Etwa jedes fünfte Pferd ab 15 Jahren hat PPID (Cushing). In der Studie von McGowan et al. 2013 (n=325) lag die Prävalenz bei 21,2 %, bei Pferden ab 30 Jahren steigt sie weiter an.

Hufrehe ist die häufigste rentenrelevante Folgeerkrankung: in einer Kohorte von Cohen et al. lag die Mortalität bzw. Euthanasie-Rate nach Rehe-Schub bei rund 42 %. Die meisten Hufrehe-Fälle sind nach heutigem Stand endokrinopathisch (PPID/EMS), nicht primär futterbedingt.

Versicherungs-Konsequenz: Eine bestehende Diagnose ist eine Vorerkrankung im Sinne von § 19 VVG und muss bei einem Antrag wahrheitsgemäß angegeben werden. Wer schon einen Senior aufnimmt, sollte den Antrag möglichst vor der ersten Diagnose einreichen.

1. Cushing-Syndrom / PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction)

PPID ist eine altersassoziierte endokrine Erkrankung, bei der die mittlere Hypophysenregion (Pars intermedia) übermäßig Hormone produziert — vor allem ACTH-Vorläufer-Peptide. Die früher übliche Bezeichnung 'Equines Cushing-Syndrom' ist medizinisch nicht ganz präzise, hat sich aber als Halterbegriff durchgesetzt.

Häufigkeit

In der Studie von McGowan et al. (2013, Equine Veterinary Journal, n=325) lag die Prävalenz bei Pferden ≥ 15 Jahre bei 21,2 %. Mit zunehmendem Alter steigt sie weiter — Schätzungen gehen davon aus, dass bei Pferden ab 30 Jahren rund jedes dritte betroffen ist.

Typische Symptome

  • Hirsutismus (langes, lockiges, zum Teil stehendes Fell, kein vollständiger Fellwechsel)
  • Muskelabbau, vor allem entlang der Wirbelsäule und am Kruppenoberteil
  • Polyurie/Polydipsie (vermehrtes Trinken und Harnen)
  • Hyperhidrose (vermehrtes Schwitzen, oft fleckig)
  • Wiederkehrende Infektionen, schlecht heilende Wunden
  • Hufrehe-Schübe — oft erstes warnendes Symptom

Diagnostik

Standard ist die Bestimmung des basalen ACTH-Spiegels aus dem Blut. Wichtig: Es gibt eine Saison-Schwankung (höhere Werte August–Oktober), weshalb die Beurteilung saisonadjustierte Referenzbereiche verwendet. Für Borderline-Fälle wird der TRH-Stimulationstest empfohlen. Konkrete pg/mL-Schwellen sollten nicht aus Internet-Quellen übernommen werden, da sie labor- und assayabhängig sind — der behandelnde Tierarzt interpretiert anhand der Referenzwerte des einsendenden Labors.

Therapie

Mittel der Wahl ist Pergolid (Wirkstoff Pergolidmesilat), in Deutschland als Prascend® 1 mg (Boehringer Ingelheim) zugelassen. Die übliche Startdosis liegt bei 2 µg/kg Körpergewicht oral einmal täglich; bei einem 500-kg-Pferd ist das eine Tablette. Dosis wird anhand klinischer Besserung und ACTH-Verlauf angepasst.

2. Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

EMS ist nach dem ECEIM-Konsensus 2019 (European College of Equine Internal Medicine, Durham et al.) charakterisiert durch Insulin-Dysregulationin Kombination mit Adipositas und/oder erhöhtem Hufrehe-Risiko. Anders als PPID ist EMS kein hypophysäres Problem, sondern eine Stoffwechsellage — vergleichbar mit dem Typ-2-Diabetes-Spektrum beim Menschen.

Risikofaktoren

  • Robustrassen (Ponys, Tinker, Spanier, Friese, Norweger) deutlich häufiger
  • Übergewicht / 'leichtfuttrige' Pferde
  • Bewegungsmangel
  • Hohes Stärke-/Zucker-Angebot (junges Weidegras im Frühjahr, Silage, Müsli)

Diagnostik

ECEIM 2019 empfiehlt zur Bestätigung den Oralen Zucker-Toleranztest (OST) oder den intravenösen Insulin-Toleranztest (ITT) — die isolierte Nüchtern-Insulin-Bestimmung gilt als wenig sensitiv. Auch hier sind die genauen Schwellen labor- und protokollabhängig; der Tierarzt interpretiert.

Therapie

Therapie ist überwiegend nicht-medikamentös: konsequente Diät (energiearmes Heu mit niedrigem WSC-Gehalt, Heunetze, kein Kraftfutter, Weide-Restriktion), Bewegung, Gewichtsreduktion. Bei stark erhöhter Insulin-Antwort wird in Einzelfällen Levothyroxin oder Metformin off-label eingesetzt — entscheidung beim Tierarzt.

3. Hufrehe (Laminitis)

Hufrehe ist die schmerzhafte Entzündung und Lockerung der Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel. Sie ist die häufigste rentenrelevante Folgeerkrankung beim Senior-Pferd — und einer der häufigsten Gründe für Euthanasie aus medizinischen Gründen.

Mortalität / Lebensende-Statistik

In einer Kohortenstudie von Cohen et al. lag die Mortalitäts-/Euthanasie-Rate nach Rehe-Schub bei rund 41,8 %. Die Spannweite anderer Studien liegt zwischen 25 und 50 %, abhängig von Schweregrad und Hufbein-Rotationswinkel.

Ursachen — der Stand 2026

Lange Zeit wurde Hufrehe als 'Futter-/Weide-Krankheit' wahrgenommen. Heute gilt: Der größte Teil der Fälle ist endokrinopathisch — also Folge von PPID oder EMS. Die häufig kolportierte Zahl 'rund 90 % endokrinopathisch' wird in Reviews diskutiert, ist aber nicht primärstudien-belegt; die Tendenz ist klar, die exakte Quote nicht. Daneben kommen vor: septisch-toxische Rehe (Kolik, Geburtsrückstandsentzündung, Aufnahme bestimmter Toxine), Belastungsrehe (z. B. Schonhaltung bei Lahmheit auf einem Bein) und seltener mechanisch.

Akut-Maßnahmen

  • Sofort tiefe Einstreu (Sand/Späne), Pferd nicht zwingen zu laufen
  • NSAID nach tierärztlicher Anweisung (Phenylbutazon o. ä.)
  • Akutes Röntgen zur Beurteilung der Hufbein-Rotation
  • Hufschmied/Tierarzt-Team für Akutbeschlag (Stützverband, Klebeschuh)
  • Ursachensuche — ACTH und/oder Insulin-Test parallel

4. Arthrose

Degenerative Gelenkerkrankungen sind die häufigste Ursache wiederkehrender Lahmheiten beim älteren Sport- und Freizeitpferd. Klassische Lokalisationen: Gleichbeine, Strahlbein, Sprunggelenk-Reihe (Spat), Karpalgelenk, Fesselgelenk.

Diagnostik

Klinische Lahmheits-Untersuchung mit Beugeproben, gefolgt von Leitungs- oder Gelenk-Anästhesien, anschließend bildgebend Röntgen, ggf. Ultraschall, MRT (Standing-MRT für distale Gliedmaße). Kosten siehe GOT-Übersicht.

Therapieoptionen

  • NSAID (orale Phenylbutazon-Pasten, Firocoxib) — symptomatisch
  • Intraartikuläre Injektionen mit Hyaluronsäure, Kortikoiden, IRAP, PRP, Stammzellen
  • Stoßwellentherapie, Magnetfeld, Aquatraining
  • Physiotherapie, gezieltes Schritt-Trab-Aufbauprogramm
  • Korrekturbeschlag — entscheidend bei Strahlbein- und Hufgelenks-Arthrose

Versicherungs-Hinweis: Arthrose ist häufig bereits bei Antragstellung bekannt (Vorerkrankung) und wird dann ausgeschlossen oder mit Risikozuschlag versehen. OP-Versicherungen leisten bei akuten chirurgischen Eingriffen (z. B. Arthroskopie), nicht bei laufenden konservativen Therapiekosten — diese deckt nur eine umfassende Vollkostenversicherung.

5. Sommerekzem

Das Sommerekzem ist eine IgE-vermittelte allergische Reaktion auf Speichelproteine von Gnitzen (Culicoides) und seltener anderen Insekten. Pferde reiben sich Mähnenkamm und Schweifrübe blutig — typisch ab Frühling, Schübe bis in den Spätsommer.

Häufigkeit / Rasse-Risiko

Besonders betroffen sind Islandpferde, die als adulte Tiere nach Mitteleuropa importiert wurden — Eriksson et al. (2008) zeigten in Schweden Inzidenzen von über 50 % in dieser Gruppe, weil die in Island praktisch Gnitzen-freie Frühprägung fehlt. Auch Kaltblüter, Tinker und einige Friese-Linien sind überdurchschnittlich betroffen.

Management

  • Ekzem-Decke mit Bauch-, Hals- und Schweifschutz, möglichst eng anliegend
  • Aufstallung in der Dämmerung (Hauptflugzeiten der Gnitzen)
  • Repellents (Permethrin/Cypermethrin-haltige Spot-on und Sprays)
  • Topische Pflege mit Zink/Panthenol, Linderung des Juckreizes
  • In schweren Fällen: tierärztliche Therapie mit Glukokortikoiden, Antihistaminika oder spezifischer Immuntherapie (in Studien für Culicoides erhältlich)

Versicherungs-Hinweis: Das Sommerekzem ist mit Beginn der ersten Symptomatik eine offenkundige Vorerkrankung. Bei Robustrassen (Tinker, Islandpferd, Friese) prüfen Versicherer die Krankenversicherung in der Regel restriktiv.

Was die Versicherung im Senior-Alter realistisch leistet

Drei Spielregeln bei Senior-Pferden, die du kennen solltest:

  • Eintrittsalter: Die meisten OP-Tarife nehmen Pferde nur bis 16 oder 18 Jahre neu auf. Über 20 hinaus wird der Markt sehr eng. Wer einen Senior versichern will, sollte das deutlich vor diesen Stichtagen tun.
  • Risikozuschlag oder Ausschluss: Pre-existing PPID, EMS oder Arthrose werden in der Regel als Vorerkrankung ausgeschlossen oder mit Beitragsaufschlag versichert. Das ist nicht 'Willkür', sondern die statistische Folgekosten-Realität dieser Diagnosen.
  • Beitragssprung im Alter: Pferd-Krankenversicherungen rechnen nicht mit Alterungsrückstellung wie eine private Krankenversicherung beim Menschen. Mit jedem Lebensjahr steigt der Tarif spürbar — gerade ab 16 Jahren deutlich. Plan-Variable: monatlicher Beitrag und Sublimits über die geplante Restnutzungsdauer hochgerechnet, gegen die Wahrscheinlichkeit eines OP-relevanten Eingriffs.

Häufige Fragen zu Senior-Pferd-Krankheiten

Wie häufig ist Cushing/PPID bei älteren Pferden?

Nach McGowan TW et al. (2013, Equine Veterinary Journal, n=325) liegt die Prävalenz von PPID bei Pferden ab 15 Jahren bei 21,2 %. Bei Pferden ab 30 Jahren steigt sie weiter — Schätzungen gehen davon aus, dass rund jedes dritte 30-jährige Pferd betroffen ist. Frühe Symptome wie unvollständiger Fellwechsel und Hufrehe-Schübe sind oft die ersten Hinweise.

Wie wird PPID diagnostiziert?

Standard ist die Bestimmung des basalen ACTH-Spiegels aus dem Blut. Wegen saisonaler Schwankung (höhere Werte August–Oktober) verwendet das Labor saisonadjustierte Referenzbereiche. Für Borderline-Fälle wird der TRH-Stimulationstest empfohlen. Konkrete pg/mL-Schwellen sind labor- und assayabhängig; der behandelnde Tierarzt interpretiert.

Was ist der Unterschied zwischen PPID und EMS?

PPID ist eine endokrine Erkrankung der Hypophysen-Pars-intermedia mit Überproduktion von ACTH-Vorläuferpeptiden. EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist nach ECEIM-Konsensus 2019 eine Stoffwechsellage mit Insulin-Dysregulation, oft kombiniert mit Adipositas — vergleichbar mit Typ-2-Diabetes-Spektrum beim Menschen. Beide erhöhen das Hufrehe-Risiko, werden aber unterschiedlich diagnostiziert und behandelt.

Welche Hufrehe-Mortalität haben Studien gezeigt?

In einer Kohortenstudie von Cohen et al. lag die Mortalitäts-/Euthanasie-Rate nach Rehe-Schub bei rund 41,8 %. Die Spannweite anderer Studien liegt zwischen 25 und 50 %, abhängig von Schweregrad und Hufbein-Rotationswinkel. Die meisten Hufrehe-Fälle sind nach heutigem Stand endokrinopathisch (PPID/EMS), nicht primär futterbedingt.

Wie versichere ich ein Senior-Pferd?

Die meisten OP-Tarife nehmen Pferde nur bis 16 oder 18 Jahre neu auf; über 20 wird der Markt eng. Bestehende Diagnosen (PPID, EMS, Arthrose) gelten nach § 19 VVG als Vorerkrankung — der Versicherer schließt sie meist aus oder versieht die Police mit Risikozuschlag. Wer einen Senior versichern will, sollte das vor dem ersten Diagnose-Befund tun. Detail: Senior-Pferd-versichern-Ratgeber.

Passt eine Versicherung zu deinem Thema?

Wir vergleichen 6 Versicherer für alle Pferd-Sparten — Haftpflicht, OP, Kranken, Leben und mehr.

Anrufen