Raufutter bleibt die Basis — auch im Alter
Auch bei einem alten Pferd ändert sich am Grundprinzip der Fütterung nichts: Raufutter muss die Basis der Ration bleiben. Als Minimum gelten 1,5 bis 2 kg Heu (oder gleichwertiges Raufutter) pro 100 kg Körpergewicht und Tag. Bei untergewichtigen Senioren wird eher am oberen Ende dieser Spanne gefüttert, bei übergewichtigen Pferden reduziert man in Richtung unteres Ende.
Der Eiweißbedarf alter Pferde liegt Fachartikeln zufolge etwa 10 bis 20 Prozent über dem eines gesunden erwachsenen Pferdes. Sinnvoll gedeckt wird dieser Mehrbedarf über leicht verdauliche, hochwertige Eiweißquellen — nicht einfach über mehr vom bisherigen Kraftfutter.
Wenn die Zähne nicht mehr mitmachen: Heucobs statt Heu
Wie viel Heucobs braucht mein Senior?
Können alte Pferde Heu wegen abgenutzter Zähne nicht mehr ausreichend zerkleinern, lassen sich eingeweichte Heucobs als Ersatz einsetzen. Rechnerisch ersetzt 1 kg Heucobs 1 kg Heu. Je nach Quelle werden dafür rund 1 bis 2 kg Trockengewicht pro 100 kg Körpergewicht angesetzt — bei einem großen Warmblut können so bis zu rund 10 kg Cobs am Tag zusammenkommen, aufgeteilt auf mehrere kleine Mahlzeiten.
Einweichen ist Pflicht, nicht Kür
Heucobs sollten grundsätzlich eingeweicht statt trocken gefüttert werden. Praxisnahe Empfehlungen nennen etwa 10 bis 30 Minuten Einweichzeit, teils im Verhältnis 1:2 mit Wasser, und raten dazu, den Ansatz frisch zuzubereiten statt über Nacht stehen zu lassen.
Trocken oder unzureichend eingeweicht verfütterte Heucobs können im Maul oder in der Speiseröhre aufquellen und dadurch eine Schlundverstopfung begünstigen. Das gilt besonders für Pferde, die durch Zahnprobleme ohnehin schlechter kauen.
| Richtwert | Menge | Hinweis |
|---|---|---|
| Raufutter-Minimum (allgemein und Senior) | 1,5–2 kg / 100 kg Körpergewicht/Tag | Am oberen Ende bei Untergewicht, reduziert bei Übergewicht |
| Heucobs als Heuersatz bei Kauproblemen | ca. 1–2 kg Trockengewicht / 100 kg | 1:1-Ersatz für Heu, auf mehrere Mahlzeiten verteilen |
| Einweichzeit Heucobs | ca. 10–30 Minuten | Frisch angesetzt, nicht über Nacht |
| Eiweiß-Mehrbedarf alter Pferde | +10–20 % gegenüber gesundem Erwachsenen | Über hochwertige, leicht verdauliche Quellen decken |
Gewichtsverlust im Alter — nicht immer dieselbe Ursache
Gewichtsverlust im Alter hat nicht immer dieselbe Ursache: Zahnprobleme senken die tatsächlich aufgenommene Energiemenge, während hormonelle Erkrankungen wie PPID (früher Equines Cushing-Syndrom) unabhängig davon Muskelabbau und Gewichtsverlust verursachen können — teils trotz eigentlich ausreichender Futtermenge und erhaltenem Appetit.
EMS (Equines Metabolisches Syndrom) und PPID sind unterschiedliche Erkrankungen, die leicht verwechselt werden. Für EMS ist eine Insulindysregulation Teil der Definition; bei PPID trifft das laut Fachliteratur nur auf einen Teil der Fälle zu (rund 30 Prozent).
Zwei völlig verschiedene Fütterungs-Logiken
Für stoffwechselkranke Pferde (EMS/PPID) werden andere Fütterungsprinzipien empfohlen als für einen abgemagerten, aber stoffwechselgesunden Zahnpatienten:
- Stoffwechselpatient (EMS/PPID mit Insulindysregulation): getreide- und melassefreie, zuckerreduzierte Ration. Als Richtwert für Heu bei Idealgewicht werden rund 1,3 bis 1,8 kg pro 100 kg Körpergewicht genannt, verteilt auf mehrere Mahlzeiten, mit einem angestrebten Gewichtsverlust von 0,5 bis 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche als schonendem Tempo.
- Zahnpatient ohne Stoffwechselerkrankung: zusätzliche Energie- und Eiweißzufuhr, meist über eingeweichte Heucobs plus angepasstes Kraftfutter.
Eine pauschal übernommene Reduktionsdiät für Stoffwechselpatienten kann bei einem eigentlich unterernährten Zahnpatienten den Gewichtsverlust verschärfen. Welche Situation vorliegt, klärt deshalb der Tierarzt anhand von Zahnstatus und Blutwerten — nicht das äußere Erscheinungsbild allein.
Heu wässern bei Stoffwechselpatienten
Wässern von Heu kann bei Stoffwechselpatienten den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten senken. Genannt werden Einweichzeiten von 30 bis 120 Minuten, wobei bei zu langem Wässern Nährstoffverluste und Verderbnisrisiko gegen den Nutzen abzuwägen sind.
Der Versicherungs-Blick
Die reine Futterumstellung beim Senior-Pferd — Heucobs, Eiweißanpassung — ist Haltungssache und wird von keiner Pferdeversicherung übernommen. Relevant wird es erst bei der tierärztlichen Diagnostik und Behandlung: Eine klassische Pferde-OP-Versicherung greift meist nur bei chirurgischen Eingriffen unter Sedierung oder Narkose, während routinemäßige Zahnkontrollen oder eine konservative PPID-Abklärung je nach Tarif eher über eine Kranken- bzw. Vollkostenversicherung abgedeckt sein können — wenn die AVB das vorsehen.
Bei bereits diagnostiziertem PPID oder EMS kann ein späterer Neuabschluss einer Krankenversicherung erschwert sein oder Folgekosten dieser Erkrankung ausschließen — je nach Anbieter und AVB. Deshalb lohnt sich ein Abschluss vor dem Auftreten erster Symptome, nicht erst danach.
Eine durch Fütterungsfehler mitverursachte Schlundverstopfung oder Kolik betrifft das eigene Tier und ist damit kein Fall für die Pferdehaftpflicht, die grundsätzlich Schäden Dritter abdeckt. Bei einer Pferdelebensversicherung wirkt sich hohes Alter in der Regel prämienerhöhend aus oder führt ab einer bestimmten Altersgrenze zum Ausschluss von Neuabschlüssen — auch das ist AVB-abhängig und sollte vor Vertragsschluss geprüft werden.
Häufige Fragen
Übernimmt die Pferde-OP-Versicherung Zahnbehandlungen bei einem Senior-Pferd?
In der Regel nicht automatisch: Die klassische OP-Versicherung deckt meist nur chirurgische Eingriffe unter Sedierung oder Narkose ab. Ob und wie weit auch aufwendigere Zahnbehandlungen ohne OP-Charakter erstattet werden, hängt vom jeweiligen Tarif und den AVB ab und sollte vor Abschluss geprüft werden.
Kann ich für ein Pferd mit bereits diagnostiziertem PPID/Cushing noch eine Krankenversicherung abschließen?
Das ist je nach Anbieter unterschiedlich geregelt: Eine bestehende Diagnose kann zu einem Risikoausschluss für Folgekosten dieser Erkrankung führen oder die Annahme erschweren. Ein Abschluss vor dem Auftreten erster Symptome ist deshalb meist die günstigere Option.
Was ist der Unterschied zwischen EMS und PPID beim Gewichtsverlust im Alter?
EMS ist über eine Insulindysregulation definiert und tritt oft bei übergewichtigen Pferden mit Fettdepots an Mähnenkamm oder Kruppe auf, die trotz reduzierter Futtermenge kaum abnehmen. PPID (früher Cushing) kann dagegen sehr unterschiedlich verlaufen: Manche Pferde bleiben übergewichtig, andere magern trotz gutem Appetit durch Muskelabbau ab. Nur eine tierärztliche Diagnostik unterscheidet beide zuverlässig.
Wie viel Heucobs braucht ein altes Pferd, das kein Heu mehr richtig kauen kann?
Als grobe Orientierung gilt: 1 kg Heucobs ersetzt rechnerisch 1 kg Heu, üblich sind etwa 1 bis 2 kg Trockengewicht pro 100 kg Körpergewicht und Tag. Bei einem großen Warmblut können so bis zu rund 10 kg Cobs täglich zusammenkommen, aufgeteilt auf mehrere kleine Mahlzeiten.
Warum sollte man Heucobs nicht trocken füttern?
Trockene Cobs können im Maul oder in der Speiseröhre aufquellen und so eine Schlundverstopfung auslösen, besonders bei Pferden, die aufgrund von Zahnproblemen ohnehin schlechter kauen. Empfohlen wird ein frisches Einweichen von etwa 10 bis 30 Minuten statt einer Zubereitung über Nacht.
Ist eine Reduktionsdiät für ein übergewichtiges EMS-Pferd auch für einen abgemagerten Senior mit Zahnproblemen geeignet?
Nein, das sollte nicht verwechselt werden. Ein dünner Senior mit Kauproblemen braucht in der Regel mehr Energie und Eiweiß, während eine EMS-Diät auf Gewichtsreduktion und weniger lösliche Kohlenhydrate ausgelegt ist. Welche Situation vorliegt, klärt der Tierarzt anhand von Zahnstatus und Blutwerten.
