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Mineralfutter beim Pferd — wann nötig, was drin sein muss

Heu und Stroh allein decken oft nicht den Spurenelement-Bedarf: Eine Beispielrechnung der LfL Bayern zeigt für ein 600-kg-Warmblut nur rund 61 mg Kupfer pro Tag bei einem Bedarf von etwa 119 mg. Mineralfutter schließt diese Lücke – wichtig ist aber vor allem bei Selen die richtige Dosis, da schon das Zwei- bis Dreifache des Bedarfs chronisch giftig wirken kann.

Mineralfutter ist beim Pferd schnell zum Streitthema geworden: zu wenig gilt als Mangel, zu viel kann genauso schaden. Dieser Ratgeber zeigt anhand amtlicher Bedarfswerte, wann eine Ergänzung sinnvoll ist, welche Mengen an Kupfer, Zink und Selen als Richtwert gelten – und woran du eine Überversorgung erkennst.

Geprüft von Kevin Malarczuk · §34d-VersicherungsvermittlerZuletzt geprüft: 07.08.2026
Redaktionelle Aufbereitung — keine Rechts- oder Versicherungsberatung im Einzelfall. Bei juristischen Themen empfehlen wir zusätzlich anwaltliche Beratung, bei tierärztlichen Fragen den behandelnden Tierarzt.

Warum Heu allein oft nicht reicht

Heu und Stroh sind die Basis der Pferdefütterung und decken viele Nährstoffe gut ab – bei einigen Spurenelementen bleibt aber eine Lücke. Eine Beispielrechnung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) zeigt: Bei einem 600-kg-Warmblut liefern Heu und Stroh nur rund 61 mg Kupfer pro Tag, während der Tagesbedarf bei etwa 119 mg liegt. Diese Lücke muss über Mineralfutter geschlossen werden.

Amtliche Bedarfswerte als Orientierung

Sowohl die LfL Bayern als auch die Landwirtschaftskammer NRW haben die Bedarfswerte der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) aus dem Jahr 2014 in ihre Fütterungsempfehlungen übernommen. Danach braucht ein 600-kg-Warmblut in Erhaltung täglich etwa 1,2 mg Selen und rund 119–120 mg Kupfer; beim Zink weichen die beiden amtlichen Quellen leicht voneinander ab (ca. 485 mg bei der einen, 505 mg bei der anderen Quelle).

SpurenelementTagesbedarf (600-kg-Warmblut, Erhaltung)Gesetzl. Höchstgehalt im Futter (bez. 88 % TM)
Selenca. 1,2 mg pro Tag0,5 mg/kg (davon max. 0,2 mg organisch)
Kupferca. 119–120 mg pro Tag25 mg/kg
Zinkca. 485–505 mg pro Tag120 mg/kg

Die Tagesbedarfswerte gelten pro Tier und Tag, die Höchstgehalte beziehen sich auf das fertige Futter (mg pro kg) – beide Angaben stammen aus den amtlichen Quellen und sind nicht direkt vergleichbar, geben aber die Größenordnung wieder, in der sich seriöses Mineralfutter bewegen sollte.

Selen: der schmale Grat zwischen Mangel und Überversorgung

Bei kaum einem anderen Mineralstoff liegen Bedarf und Gefahr so nah beieinander wie bei Selen. Werden über längere Zeit mehr als etwa 2 bis 3 mg Selen pro kg Futter-Trockenmasse verfüttert, kommt es zur chronischen Vergiftung. Der gesetzliche Selen-Höchstgehalt in Alleinfuttermitteln für Pferde liegt bei 0,5 mg/kg (bezogen auf 88 % TM), davon maximal 0,2 mg in organischer Form – also deutlich unter der tatsächlichen toxischen Schwelle, mit einer klaren Sicherheitsmarge.

Akute Vergiftungen sind seltener, aber möglich: Die minimale letale Dosis von Selen (oral als Natriumselenit) wird mit rund 3,3 mg pro kg Körpergewicht angegeben. Sie äußert sich unter anderem in Ataxie, Kolik, Schwitzen und Herz-Kreislauf-Versagen.

Woran du eine Selen-Überversorgung erkennst

  • Mähnen- und Schweifhaarausfall
  • Hufhornveränderungen bis zum Ausschuhen der Hufkapsel
  • Lahmheit
  • Abmagerung
Merkregel Selen
Chronisch giftig wird es ab etwa 2–3 mg Selen pro kg Futter-Trockenmasse. Der gesetzliche Höchstgehalt in fertigen Alleinfuttermitteln liegt mit 0,5 mg/kg deutlich darunter – als Sicherheitsmarge. Trotzdem gilt: Mineralfutter nach Herstellerangabe dosieren, nicht nach Gefühl aufstocken.

Auch die Referenzwerte für die Blutuntersuchung wurden angepasst: Eine Studie von Vervuert et al. (2017) hat den Referenzbereich für Selen im Pferdeserum von früher 100–200 µg/l auf etwa 70–170 µg/l nach unten korrigiert. Grund: Viele klinisch gesunde Pferde waren mit dem alten, aus den USA übernommenen Grenzwert fälschlich als „selenmangelig“ eingestuft worden.

Natrium und Chlor: reicht der Salzleckstein?

Für Natrium und Chlor braucht ein normal arbeitendes Freizeitpferd bei bedarfsgerechter Grundfütterung meist keine zusätzliche Ergänzung über das Mineralfutter hinaus. Ein frei zugänglicher Salzleckstein deckt in der Regel den Bedarf. Zusätzlicher Bedarf entsteht vor allem durch Schweißverlust bei intensiver Arbeit.

Wechselwirkungen: Warum mehr nicht automatisch besser ist

Laut LfL leiden ausgewachsene Pferde ohne Leistung heute häufiger unter einer Überversorgung mit Nährstoffen als unter einer Unterversorgung – eine explizite Einschätzung der amtlichen bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Ein Grund: Mineralstoffe stehen in Wechselwirkung (Antagonismen) zueinander.

  • Kalzium-Überversorgung: Kann die Aufnahme von Magnesium, Kupfer, Mangan und Zink verringern.
  • Kalzium-Phosphor-Verhältnis: Sollte bei erwachsenen Pferden zwischen 1,5:1 und 2:1 liegen.
  • Jod-Überversorgung bei tragenden Stuten: Mehr als etwa 20 mg pro Tier und Tag kann laut LfL die Skelettentwicklung des Fohlens stören und zu Kropfbildung führen.

Wie viel Mineralfutter füttern?

Als grobe Orientierung für handelsübliches Mineralfutter gilt beim Reit-/Fahrpferd eine Menge von rund 10 g pro 100 kg Lebendmasse und Tag. Wichtig ist, nicht doppelt zu versorgen: Wer bereits ab etwa 0,5 kg eines mineralisierten Kraftfutters pro Tag füttert, braucht meist keine zusätzliche Mineralfuttergabe mehr.

Der Versicherungs-Blick

Mineralstoff-Über- oder Unterversorgung entsteht schleichend über die tägliche Fütterung und ist damit vor allem ein Management-Thema, kein plötzliches Schadenereignis. Die Pferdehaftpflicht ist hier ohnehin nicht einschlägig, da sie nur Schäden abdeckt, die dein Pferd Dritten zufügt.

Akute Folgen wie eine Kolik-OP nach Verdauungsstörungen durch falsch dosiertes Mineral- oder Ergänzungsfutter können je nach AVB grundsätzlich unter eine Pferde-OP- oder Krankenversicherung fallen, sofern kein Ausschluss wegen grober Fahrlässigkeit oder erkennbarer Vorerkrankung greift. Viele Tarife setzen dafür aber eine „übliche, sachkundige Fütterung“ voraus – eine über Monate erkennbare, unkorrigierte Fehlversorgung kann im Streitfall zu Leistungskürzungen führen.

Auch eine Pferdelebensversicherung kann im Todesfall durch akute Vergiftung grundsätzlich einspringen. Bei einer offensichtlichen Überdosierung eines Ergänzungsfutters entgegen der Herstellerangabe prüfen Versicherer aber regelmäßig, ob eine Obliegenheitsverletzung vorliegt. Keine Versicherung ersetzt eine bedarfsgerechte Rationsberechnung – sie kann bestenfalls die tierärztlichen Folgekosten eines Fütterungsfehlers abfedern, und auch das nur je nach Tarif, nie garantiert.

Häufige Fragen

Deckt Heu allein den Mineralstoffbedarf meines Pferdes?

Bei den Mengenelementen oft weitgehend, bei Spurenelementen wie Kupfer, Zink und Selen laut amtlicher Beispielrechnung der LfL jedoch häufig nicht vollständig – eine Ergänzung über Mineralfutter ist meist nötig, sollte aber per Rationsberechnung und nicht pauschal erfolgen.

Wie viel Selen ist zu viel?

Werden dauerhaft mehr als etwa 2–3 mg Selen pro kg Futter-Trockenmasse gefüttert, drohen chronische Vergiftungserscheinungen. Der gesetzliche Höchstgehalt in fertigen Alleinfuttermitteln liegt mit 0,5 mg/kg deutlich darunter als Sicherheitsmarge.

Reicht ein Salzleckstein für die Natriumversorgung?

Bei einem normal arbeitenden Freizeitpferd meist ja. Bei stärkerer Arbeit und entsprechendem Schweißverlust kann zusätzlicher Elektrolytbedarf entstehen, der über Viehsalz im Kraftfutter gedeckt werden kann.

Wie erkenne ich eine Selen-Überversorgung?

Mögliche Anzeichen sind Mähnen- und Schweifhaarausfall, Hufhornveränderungen bis zum Ausschuhen der Hufkapsel, Lahmheit und Abmagerung; bei Verdacht sollte ein Tierarzt Blut- und Futteruntersuchungen veranlassen.

Muss ich zusätzlich zu fertigem, mineralisiertem Kraftfutter noch Mineralfutter geben?

Laut LfL ist das ab etwa 0,5 kg eines bereits mineralisierten Kraftfutters pro Tag meist nicht mehr nötig – eine Doppelversorgung sollte vermieden werden, am besten anhand einer Rationsberechnung geprüft.

Übernimmt eine Pferdekranken- oder OP-Versicherung Kosten durch Mineralstoff-Fehlfütterung?

Möglich, aber nicht garantiert: Je nach AVB kann bei nachweisbarer grober Fahrlässigkeit oder erkennbarem Fütterungsfehler die Leistung gekürzt oder verweigert werden – die konkreten Bedingungen des Tarifs entscheiden.

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